972 CD / Wolfgang Amadeus Mozart: „Haydn Quartets“
Beschreibung
Streichquartette von Wolfgang Amadeus Mozart ohne historische Instrumente – geht das überhaupt noch? – Natürlich geht das! Es gibt wohl keinen ernsthaften klassischen Musiker, auf den sich die historische Aufführungspraxis nicht in irgendeiner Form ausgewirkt hätte. Das betrifft beileibe nicht nur die Sorgfältigkeit bei der Urtextauswahl oder die Wahl des Instrumentes. Die Veränderungen sickern bis in kleinste Phrasierungen, die man einfach nicht mehr so machen kann wie früher, auch unbewusst. Die vielen Hörerfahrungen drücken sich so aus.
Selbstverständlich gibt es diese Einflüsse auch beim Auryn Quartett. Wenn sie sich trotzdem scheinbar konventionell geben, dann täuscht das, denn konventionell ist ihre Spielweise schon längst nicht mehr. Sie berufen sich auf etwas, was man mittlerweile auch als „historisch“ bezeichnen sollte, nämlich auf die Spielweise einer ausgestorbenen Musikergeneration. Ihre Vorbilder heißen Amadeus Quartett oder Guarneri Quartett, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Mitglieder des Auryn Quartetts wurden zu einer anderen Zeit „musikalisch sozialisiert“ wie jüngere Musiker. Sie können und wollen ihr in der Jugend erworbenes ästhetisches Empfinden nicht einfach ablegen wie ein altmodisches Kleidungsstück. Sie lieben den wunderschönen „alten“ Klang der Streichinstrumente und bemühen sich, diese Klangkultur am Leben zu erhalten, aber dies mit der ganzen heute möglichen Sorgfalt. Das Ergebnis ist zeitlos schöne Musik. Die neue Einspielung der 6 „Haydn-Quartette“ von Wolfgang Amadeus Mozart liefert dafür einen eindrücklichen Beleg.
6 Bewertungen für 972 CD / Wolfgang Amadeus Mozart: „Haydn Quartets“
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image hifi –
(…) Das Auryn Quartett spielt sie [die 6 Quartette] so homogen wie (dennoch) differenziert und entfaltet dabei einen Klang aus Seide und Gold. Das mag auf die exquisiten Instrumente von Stradivari, Guarneri und Amati zurückzuführen sein, aber wohl mehr noch darauf, dass die Auryns in ein paar Jahren ihr vierzigjährige Jubiläum in derselben Besetzung feiern. Altmodisch? nein, gar nicht. Aber dass das Ensemble noch einmal jenen kostbaren Quartettstil pflegt und bewahrt, in dem die Musik unforciert und natürlich zur Entfaltung kommt, lässt sich ja sagen, ohne damit gleich ganz das Bemühen jüngerer Ensembles um zugespitzte „Aussagen“ zu verwerfen.
Man keine Zeit kaum schöner verbringen, als dem Auryn Quartett beim Mozartspiel zuzuhören und sich so in Gefühl und Verstand sanft anregen zu lassen.
Heinz Gelking
CD Hotlist –
Die meisten Sammlungen dürften diese monumentalen Werke bereits in anderen Einspielungen besitzen, doch die Deutung des Auryn Quartetts ist herausragend und stellt eine überaus lohnende Bereicherung für jede Sammlung dar.
Rick Anderson
Audio –
(…) Sein Zusammenspiel [des Auryn-Quartetts] zeichnet sich aus durch große Präzision, Sensibilität und Dirrerenzierung, die Wiedergabe wird sowohl der leichtigkeit als auch der Dramatik der Werke grecht. Noch dazu punktet die Produktion mit einem klaren, warmen Klangbild. Feinste musikalische Delikatessen.
(…) Magisch!
Andreas Fritz
Literaturspiegel –
(…) Gut, dass das Auryn Quartett die aufklärerische Menschlichkeit nie vergessen hat. Mit der Erfahrung von unglaublichen 37 Jahren gemeinsamen Spiels führen die vier Herren eine weise Nuanciertheit vor, die alles Vordergründige vergessen macht und ihre neue Box zur eisernen Klangration werden lässt.
Johannes Saltzwedel
Klassik heute –
–> zur Originalkritik
Fast zwei Jahre sind jetzt vergangen, seit ich das erste Dreier-Set des Auryn Quartetts zum Thema Mozart vor mir hatte – eine ganz erlesene Produktion sämtlicher Streichquintette, die das Quartett der vier Herren im Verein mit der Bratschistin Nobuko Imai bei ihrem quasi Exklusiv-Label Tacet herausbrachten. Mir erschien und erscheint diese Veröffentlichung [Klassik-Heute 21898] als Muster einer in allen Belangen gelungenen Einspielung und vorzügliche Demonstration dessen, „was das eigentliche und höchste Ziel der Wiedergabe sein sollte: ganz unabhängig von den benutzten Mitteln, sie seien historisch, historisch informiert oder modern, aus den Zeichen, die irgendwann von einem schöpferischen Geist als Ausdruck seiner selbst nieder- und festgeschrieben wurden, nicht bloß schöne, reine Klänge vermöge einer untadeligen Technik und Akustik zu (re)produzieren, sondern vor allem das Wesen dessen, der’s gefertigt, aus seinen Zahlen und Figuren dergestalt herauszulösen, dass dieser Creator wieder in lebendigen Kontakt mit uns tritt – ob zwischen seinem ,Hingang’ nun ein paar Jahre oder Dezennien, ob ganze Jahrhunderte liegen.“
Nicht mehr und nicht weniger habe ich zu der 2017 entstandenen Aufnahme der sogenannten „Haydn-Quartette“ zu sagen. Auch beim Umgang mit diesen sechs „Früchten einer langen und mühseligen Arbeit” legen die Auryns eine solche Natürlichkeit an den Tag, dass man schon im ersten Satz des vielgespielten G-Dur-Quartetts den Kurs erahnt, der während der nächsten dreieinhalb Stunden reiner Musik eingeschlagen werden soll: Nichts Forciertes, nichts Überhitztes, keine vordergründig wirksamen Albereien oder Koketterien gibt es in diesen dichten, geistreichen Stimmengeflechten; nirgends habe ich den Eindruck, man wolle mich über den „wahren Charakter“ des Komponisten, über seine Aufmüpfigkeiten oder gar den „Tritt im Hintern“ belehren, mit dem wenige Jahre vor der Verfertigung dieses halben Dutzends kammermusikalischer Höchstleistungen das fürsterzbischöfliche Arbeitsverhältnis dauer- und schmerzhaft beendet wurde. Und doch ist alles vorhanden: die unterschwelligen Spannungen, die Widerspenstigkeit der Menuette, der wilde Aufruhr mitunter („Dissonanzen“), die ariosen, durchweg ergreifenden Schönheitsträume – ja, selbst die Arbeit, die Erwägung, ein für mozartische Verhältnisse bemerkenswertes „Ringen mit dem Material“ … all das geht ohne Übertreibung, bedarf keines Wettlaufs gegen die Uhr, generiert sich gewissermaßen so sehr aus sich selbst heraus, dass sich die Ausführenden sogar den Luxus leisten und sämtliche Wiederholungen beachten können. Mit andern Worten: Auch die zweiten Hälften der Sonatenhauptsätze, die Durchführungen und Reprisen gibt es doppelt – und wer da glaubte, das wäre des Guten zu viel getan, sei versichert, dass der Autor der vorliegenden Eloge allein zum Zwecke der Rezension das gesamte Paket zweimal und gewiß nicht zum letzten Male gehört hat. Einzelnes auszusondern, um es besonders hervorzuheben: die herrlichen Glockentöne des Cellos etwa im Kopfsatz des KV 421; die Ereignisse, die aus einer punktierten Standardfigur entstehen; das fahle Licht, das auf den thematischen Tritonus im zweiten Takt des KV 428 fällt; die winzigen Fensterchen, durch die man im ersten Allegro des KV 464 wie durch eine Camera obscura in die Welt Gustav Mahlers blicken kann – allein diese wenigen Unterstreichungen könnten schon wieder das Gesamte in einer nicht vollkommenen Rundung erscheinen lassen. Von einer solchen darf hier aber getrost die Rede sein. Oder objektiver formuliert: Diese Veröffentlichung ist eine sehr ernstzunehmende Erscheinung, weil sie nicht „will“, sondern „ist“.
Rasmus van Rijn
Mozart! Die Seiten der deutschen Mozart-Gesellschaft –
Mozarts sechs, nach ihrem Widmungsträger benannten Haydn-Quartette entstanden 1782–85 als Reaktion auf dessen epochales Opus 33. Haydns radikale Neuerungen – Eigenständigkeit aller Stimmen, Neudefinition der Formen – werden von Mozart aufgegriffen und überhöht, weisen aber noch weiter in die Zukunft. So darf etwa die Schlussfuge von KV 387 bereits als Modell für das Finale der »Jupiter-Sinfonie « gelten, manche Tonrepetitionen oder Moll-Umfärbungen nehmen fast den späten Schubert voraus, von der musikhistorischen Bedeutung des »Dissonanzen-Quartetts« KV 465 ganz zu schweigen: der ganze Zyklus ein Gipfel nicht nur in Mozarts Kammermusikschaffen. Das seit über 35 Jahren in unveränderter Besetzung spielende Auryn Quartett überzeugt hier in jeder Hinsicht. Perfekt in Intonation und Zusammenspiel werden die vielen, auch ungewöhnlichen Details der Partituren (etwa schnellste Dynamikwechsel) nicht nur klanglich bestechend schön hörbar gemacht, sondern immer auch psychologisch durchleuchtet. Sinnzusammenhänge und Mozarts erstaunliche emotionale Vielschichtigkeit kommen mit einer Klarheit zum Ausdruck, die den Hörer unmittelbar ergreifen muss. Weil alle Wiederholungen gespielt werden, wird so Mozarts Aufwertung der Coda in den Kopfsätzen evident. Diese Einspielung hat zweifelsfrei Referenzqualitäten.
Martin Blaumeiser