974 LP / TACET’s Beethoven Symphonies: nos. 1 – 9

TACET’s Beethoven Symphonies

Ludwig van Beethoven
Symphonies Nos. 1 – 9
Complete Edition
Polish Chamber Philharmonic Orchestra, Wojciech Rajski
Half Speed Mastering, 3x Play Backwards
Inspring Tube Sound, Limited Edition

EAN/barcode: 4009850097419

Beschreibung

Ein Beethoven-Zyklus, der von der ersten bis zur letzten Note Spaß macht! Wojciech Rajski leitet uns durch den schier unerschöpflichen Reichtum an Ideen energisch und empfindsam, humorvoll und tänzerisch, mit strahlender Eleganz. Und er fördert Details zu Tage, die so noch nicht zu hören waren. Genuss ohne Pathos. Die hoch gelobte Reihe entstand zwischen 2005 und 2015 in Sopot (Polen) und in der Johanneskirche von Danzig. Sie erschien bisher auf CD, SACD, Bluray und auch LP in Einzelausgaben. Doch Rajskis Beethoven verfügt nicht nur über musikalische Qualitäten, die über den „normalen“ Rahmen weit hinausgehen, sondern setzt auch aufnahmetechnische Maßstäbe. Der Inspiring Tube Sound von TACET etwa findet immer neue begeisterte Anhänger. Darum erscheint die Reihe nun noch einmal, und zwar als limitierte LP-Box für exklusive Sammler. „Half-speed“ überspielt, die dafür geeigneten Seiten im legendären „Play backwards“ Verfahren (auch dies eine Entwicklung von TACET), 180g Pressungen, in besonders hochwertiger Aufmachung mit Goldrand, in einer mit Leinen überzogenen Box und mit Seriennummern (Gesamtauflage 1000 Stück) sowie signiert vom Produzenten.

3 Bewertungen für 974 LP / TACET’s Beethoven Symphonies: nos. 1 – 9

  1. Klassik heute

    –> Originalkritik

    Künstlerische Qualität: 9 von 10
    Klangqualität: 10 von 10
    Gesamteindruck: 10 von 10

    Die aktuelle LP-Edition mit Beethovens Symphonien unter Wojciech Rajski erklingen in vollkommener Deutlichkeit, weitestgehender tonaler Verständlichkeit, hervorragender Einheitlichkeit. Der runde, mal warme, mal direkte, stets transparente Orchesterklang wirkt sehr vorteilhaft zumindest für Alle, die es nicht staubtrocken oder gläsern mögen: Die Aufnahmen basieren auf der Akustik polnischer Kirchenarchitektur (Stella Maris in Sopot; nur für die 2015 aufgenommene Neunte wurde eine andere gewählt). In Generalpausen sind zwei Sekunden Nachhall / Tonschatten hörbar, mithin befinden wir uns an der oberen, noch sinnvollen Grenze. Doch die knackige Artikulationsart des Polish Chamber Philharmonic Orchestra Sopot wirkt dem Nachhall entgegen bzw. fügt sich so ein, dass man den Sätzen der Aufnahme gespannt zuhört.

    Die ersten drei Symphonien

    Der harmonisch vertrackte, weil uneindeutig zentrierte Beginn der Ersten erscheint dynamisch klug geführt, der nachfolgende Kopfsatz macht einfach gute Laune durch herrliche Bläsermischungen und frische Spielfreude, welche im übrigen fast die ganze Edition vorteilhaft trägt.

    Bemerkenswert ist etwa auch die Einleitung zum Finale der Ersten Symphonie: tastend, suchend, spannend, zunächst zaghaft, dann aber sehr frisch bewegt. In den langsamen Sätzen der ersten beiden Symphonien vermisse ich ein wenig jene „erlesene Kantabilität und Klangschönheit“, welche dem langsamen Satz der Zweiten Symphonie – im historisch sehr korrekt gefassten Begleittext von Thomas Seedorf – auf den (Klang)leib geschrieben wird …

    Beim Hören der Eroica spielen die Musiker einander die einkomponierten Motive wach und sensitiv zu; nachgerade alles wird hörbar, und dies in einleuchtender Folgerichtigkeit (Richard Wagner hörte ja den 1. Satz als eine zusammenhängende Melodie) … Die letzten Minuten der Marcia funebre gelingen ohne jedes Pathos geradezu magisch! Über die Phrasierung des Finalthemas dieser Eroica könnte man allerdings stolpern: Die Viertaktgruppe (oder: der „Vordersatz“) mit der Silhouette es´- b´- b- es´ auf dem letzten es´ (I. Stufe) zu betonen, wie es dem Thema hier leider eingraviert wird, widerspricht meinem elementaren tonalen Spannungsempfinden. Überzeugender gelang die Themengestaltung bei Horenstein, Klemperer, Skrowaczewski, Bernstein, Barenboim, Celibidache, Thielemann, Muti, Vänskä… Denn die reine Quint ist ja in Aufwärtsrichtung aktiv, extrovertiert, und was sie öffnet, schließt die Rückkehr zum Grundton doch dann am besten, wenn letzterer vornehm zurückgehalten wird. Ähnliches lehrte übrigens auch Beethovens Schüler Carl Czerny. Zur Phrasierung und Variierung eben dieses Themas in Beethovens Klaviervariationen op. 35 unter den Händen von Pianistinnen und Pianisten gäbe es noch Weiteres zu sagen …

    4., 6. und 8. Symphonie als Highlights der Edition

    Rajski und seine Musiker bereichern den Katalog um eine hervorragende Vierte, fabelhafte Sechste sowie eine sehr gute (nur an wenigen Stellen vielleicht etwas zu eckige) Achte Symphonie. Wie schon Peter Cossé zu den Veröffentlichungen auf CD geschrieben hatte: Alles wirkt „duftig, in forschen Tempi detailliert ausgekundschaftet, in gesunder Fülle“. Nur gelegentlich entstehen Zweifel, Vorbehalte, wenn „Rajski und seine Sopoter in den Finalsätzen extrem auf die kammerorchestrale Tube drücken. Eine Spur mehr Zurückhaltung im Tempo würde die Wirkung im Sinne von Brillanz, wirbelnder Intensität und Detailgenauigkeit (in den schnellen Schlenkern der hohen Streicher!) um einiges erhöhen. Aber insgesamt handelt es sich um eine überzeugende, klanglich exquisite Einspielung, die … im weiten Feld der Konkurrenz-Produktionen eine vorderen Platz in Anspruch nehmen darf“!

    Zur nie endgültig lösbaren Tempofrage

    Wenn freilich Christof Jetzschke bemerkt hat, dass manches „mit einer nicht immer nachvollziehbaren Tempogestaltung und einer oft unzureichenden Innenspannung wie beiläufig am Hörer vorüber(zieht)“ und „kaum im Gedächtnis haften“ bleibt (nachzulesen, wie oben P. Cossé, in Klassik heute online), wirkt dies im Falle einiger weniger Ecksätze, wo Dirigent und Orchester uns ins Übereilte und Flache hineinziehen, tatsächlich nachteilig, auch im Moll-Scherzo der Neunten, wo wir für mein Empfinden, verglichen mit guten früheren Interpretationen, leider Richtung Zeichentrickfilmmusik driften, bloß nett, aber nicht wirklich (später) Beethoven.

    Beethovens Siebte ein wenig enttäuschend

    Am Ende des 1. Satzes der Neunten wie auch ganz gegen Ende der Siebten komponiert Beethoven in den Streichern chromatisch drohende Gänge. Diese bilden bei Rajski bedauerlicherweise nur den (dynamisch vernachlässigten) Hintergrund und eben nicht eine dissonant gewürzte Stimmung orchestraler Dramatik! Das mag ein Detail sein, Stimmführung und „Ausdruck“ betreffend. Aber die Siebte befriedigt auch insgesamt nicht so ganz.

    Selbst wenn ich Richard Wagner als Menschen und als Rassisten absolut inakzeptabel finde, sind seine Worte zur Siebten nach wie vor relevant: „Die über Alles herrliche A-dur-Symphonie“: Vom „wonnigen Übermuthe der Freude“ ist die Rede; Wagner versteht die Siebte als „Apotheose des Tanzes selbst: sie ist der Tanz nach seinem höchsten Wesen …, bald mit elastisch zarter Geschmeidigkeit, schlank und üppig … bald lieblich, bald kühn, bald ernst, bald ausgelassen, bald sinnig, bald jauchzend“. Derartige Dimensionen löst Rajski bei den raschen Sätzen in A-dur zu wenig ein.

    Herrlich realisierte Sinfonia pastorale

    Dass wir es bei Rajskis Beethoven-Symphonik nie mit einer „aufgesetzt dramatischen“ Gangart zu tun haben, schrieb vor Jahren bereits Ramus van Rijn. Fürwahr! Namentlich bei der Pastoralsymphonie führt die vorliegende Besetzung „in eine Welt von erlesener … Delikatesse, in der weder die seismographisch auf jeden Spannungsverlust reagierenden Sequenzen des Kopfsatzes noch die breiten Wogen … oder die polternden Donnerschläge des vielfarbigen Gewitters“ enttäuschen! In der Veröffentlichung als DVD Audio erhielt diese Interpretation schon vor Jahren eine „Klassik heute Empfehlung“, der ich mich sofort anschließe.

    Die Neunte

    Im Inneren der Neunten gelingt das Adagio schön (wenn auch in der Schallplattengeschichte manche Dirigenten zugegeben schwer verbalisierbare Qualitäten wie: Dank, Ergebung, Espressivo noch tiefer ausloten konnten). Der Kopfsatz erscheint weithin hörenswert, vor allem aber das Finale ist ganz ausgezeichnet gelungen, indem auffallend gute Sänger glücklich agieren. Die Phrasierung eines der allerberühmtesten Themen (Stichwort in unseren Tagen: Europahymne) gehört zu den vielen vollkommen überzeugenden Merkmalen der Einspielung. Um es genauer anzudeuten, die mit dem Grundton d anhebende Spannungszunahme, die zur V. Stufe auf die Oberquint (den Ton a) führt; bei Rückkehr auf den Grundton (d) hingegen realisieren wir unter Rajski Verzicht auf Gewicht und keinerlei künstlich zugefügt Spannung. Dies entspricht der Einsicht, dass die I. Stufe einer Tonart zwar fundamental ist, aber hier keine zu betonende (Dis)sonanz! Durch derart phrasierte Zunahme und Abnahme wie bei Rajski wird das Thema von Gefahren wie Routine, Banalität und Abgedroschensein erlöst, befreit. So erscheint auch das Weitere im besten Sinne nicht mechanisch, nicht erstarrend, vielmehr rund und lebendig. So gespielt kann der Finalsatz als ganzer überzeugen – exzellent!

    Fazit

    Diese polnische Besetzung bringt uns den optimistischen, freudvollen Beethoven nahe. Das Brio der musikalischen Formen kommt voll zur Geltung, wird jedoch nicht künstlich „aufgerauht“. Manches, etwa in der Fünften, gerät vielleicht allzu schwungvoll durchgepeitscht und wirkt daher ein wenig durchgerattert, fern von angemessenem Sprachcharakter, zum Nachteil der Narrativität der Musik; so bleibt es dann aus, dass tiefste Betroffenheit entsteht.

    Doch das meiste in dieser Produktion überzeugt und bereichert die Wirkungsgeschichte des Musikgiganten Beethoven, der heute musikalisch und politisch ja unvermindert Großes zu vermitteln hat.
    Dr. Matthias Thiemel

  2. image hifi

    Wojciech Raiski umd das Polish Chamber Philharmonic Orchestra hatten sämtliche Sinfonien von Beethoven für TACET aufgenommen. Jetzt wurden die Einspielungen zum ersten Mal in einer Ausgabe zusammengefasst: Alle Neune auf Vinyl.

    Warum soll uns Schallplattenhörer das interessieren? Es dürfte nicht schwerfallen, einen Beethoven-Zyklus auf LPs zu erstehen – auf Flohmärkten, Plattenbörsen und im Internet begegnet einem eine Schwemme aus Bernstein, Böhm und Karajan. Gebraucht natürlich. Die Gesamteinspielungen für Kenner – Leibowitz oder Kegel, um zwei Beispiele zu nennen – erfordern längeres Suchen. Findet man aber auch.

    Für eine Investition (immerhin 299 Euro) in das Beethoven-Paket von TACET sprechen zunächst reine Fakten: Die LPs haben eine tadellose Fertigungsqualität, klingen ausgezeichnet und sind ungespielt. Beim ersten und zweiten Punkt kann Gebrauchtvinyl manchmal mithalten, beim dritten eigentlich nie. Beliebte Nummern wie die Fünfte und die Neunte, eventuell auch die Eroica (Nr. 3) und die Pastorale (Nr. 6) zeigen oft erhebliche Gebrauchsspuren, während die anderen manchmal wie ungespielt sind. Und dann ist da ja noch die Musik, sprich: Interpretation. Wojciech Rajski, geboren 1948, war zwar während der Aufnahmen, die zwischen 2005 und 2015 stattfanden, kein junger Mann mehr, sondern ein erfahrener Dirigent, man hört, wie eng ihm das Orchester folgt, gleichzeitig war er aber immerhin ein bis zwei Generationen jünger als die Heroen aus der Zeit der LP, nach deren Platten Analogfans fieberhaft suchen. Um da gleich einzuhaken: Dass ihm bei Nr. 5 und 7 das Ausdrucksfieber von Carlos Kleiber, bei Nr. 9 die Gestaltungskraft von Erich Kleiber, in der Eroica die Wucht von Otto Klemperer fehlen und Karl Böhm für die Pastorale mit den Wiener Philharmonikern das namentlich in den Bläsern grandioser besetzte Orchester hatte, mag ja sein, aber solchen Solitären stellt Rajski einen entschieden moderneren Beethoven auf durchgehend hohem Niveau gegenüber. Das hat eigenen Wert. Die Interpretationen gehen im Vergleich nicht unter. Musikalisch einzige Alternative auf Vinyl wäre die Bremer Kammerphilharmonie unter Leitung von Paavo Järvi aus dem Jahr 2010 gewesen (Acousence Records DDKB LP1). Sie gilt als vergriffen und war, wie jetzt die TACET-Ausgabe, auf 1000 Exemplare limitiert. Eine der Järvi-Boxen wird gerade zum Fabelpreis von 940 Euro im Internet angeboten.

    Schon die Wahl eines Kammerorchesters stellt ein Statement dar. Die historisch informierte Aufführungspraxis hat oft argumentiert, wie schmal die Orchester während der Uraufführungen manchmal besetzt waren: Nur 28 Musiker hoben 1804 die Sinfonie Nr. 3 im Palais Lobkowitz aus der Taufe. Obwohl größer besetzt, erzielt auch das Polish Chamber Philharmonic Orchestra seine kernige Wucht weniger durch Masse als durch Bündelung: Es spielt so präzise zusammen, dass die Musik durchgehend transparent, an den entscheidenden Stellen aber auch wirklich energisch klingt. Rajski stuft die Dynamik fein ab und wählt tendenziell rasche, aber noch nicht aus dem Rahmen fallende Tempi – ein Punkt übrigens, in dem er sich mit Järvi trifft. In ihrem bewusst angesteuerten Kontrastreichtum wirken dessen Interpretationen zwar raffinierter, auch spielt das Orchester womöglich noch durchsichtiger, aber die Polen kontern das mit Geradlinigkeit. Bei Rajski möchte man fast glauben, dass es das gibt: einen Dirigenten ohne Eitelkeit. Unwillkürlich kommt einem das Wort von den Kapellmeistertugenden wieder in den Sinn. Ihm geht es um Beethoven und nichts sonst – dieser Eindruck gewinnt über alle neun Sinfonien an Prägnanz. Auf modernen Instrumenten, aber in pointiertem, knackigem Spiel, das raue Klänge weder sucht noch meidet, sondern zulässt, wo sie sich ergeben, werden die Partituren unter Berücksichtigung historischer Erkenntnisse, aber ansonsten ohne Umschweife direkt in Klang umgesetzt. Die Musik fällt nie in das Pathos der 1970er-Jahre zurück, als Revolutionäre wie Gardiner oder Harnoncourt den Paradigmenwechsel im sinfonischen Repertoire noch nicht durchgesetzt hatten. Alles in allem gelang Rajski und dem von ihm 1982 gegründeten Orchester eine Beethoven-Gesamtaufnahme, die in ihrer Klarheit, in ihrer Kraft und in ihrem Verzicht auf jegliche „Mätzchen“ auch die Tradition von Interpreten wie Szell, Kegel oder Zinman fortsetzt.

    Aber der Klang – auch und gerade im Vergleich zu den Einzelausgaben? Ich habe den ersten Satz der Pastorale für einen Vergleich zwischen der früheren „Tube only“-Version und der Neuabmischung genutzt und frustriert gemerkt, wie Notizen immer wieder in Klischees mündeten, obwohl man gerade das als Rezensent vermeiden möchte. Trotzdem wirkt die Einzelausgabe auf mich buttriger, runder, wärmer, bei gleicher Grundlautstärke satter und im Forte pfundiger. Die noch feiner aufgelöste Binnendynamik und umrissschärfere Zeichnung ziehen mich aber eher zur Neuausgabe – so sehr mich auch die alte begeistert hat. Geschmacksfrage? Wohl mehr als das: Die neuen Pressungen erlauben den tieferen Blick in die Musik. Gerade in der Sinfonie Nr. 6 spielen die Bläser eine tragende Rolle. Wenn zwei Klarinetten, Oboen oder Hörner parallel spielen, lassen sie sich jetzt besser als zwei Schallquellen wahrnehmen. Auch der Streicherapparat erscheint luftiger. Verlaufen Steigerungen über mehrere Takte, dann führt mir die neue Version deutlicher vor Ohren, wie genau dosiert Wojciech Rajski den Volume-Regler öffnet. Die größere Rauscharmut und klareren Konturen lassen musikalisch-interpretatorische Details zutage treten, die im so harmonischen und satten Klang der Erstausgabe ein wenig im Hintergrund bleiben. Um es klar zu sagen: Wir sprechen in beiden Fällen von allerfeinstem Vinyl.

    Vielleicht klang die frühere Ausgabe sogar „analoger“, um im Wortfeld der Klischees zu bleiben, aber die neue gibt präziser wieder, was vor den Mikrofonen geschah. Der Unterschied ist aber weder so groß noch so eindeutig, dass ich jetzt alle Einzelausgaben verkaufen würde, hätte ich sie denn, um auf die neue Gesamtedition umzusteigen. Die aber bekommt eine dicke Empfehlung: die besten Neun, die man zurzeit auf Vinyl bekommt, und auch unabhängig vom Tonträgerformat ein unbedingt hörenswerter Zyklus.
    Heinz Gelking

  3. Audio

    Die einzelnen Schallplatten hat der Autor in AUDIO 7/17 und 8/18 rezensiert, jetzt veröffentlicht Tacet-Chef Andreas Spreer alle Neune in einer festen Schatulle. Der Beethoven-Sinfonien-Zyklus mit der Polnischen Kammerphilharmonie Sopot unter Wojciech Rajski, aufgenommen zwischen 2005 und 2015, überzeugt interpretatorisch voll: Die sportive, energische, rhythmisch akzentuierte Spielweise tut den alten Weisen gut. Man hört dem sehr diszipliniert agierenden Orchester mit viel Freude zu, auch in der Neunten bleiben Solisten und Chor konkurrenzfähig. Für diesen strikt limitierten, handnummerier ten Zyklus wählte Spreer seine im „Inspiring Tube Sound“ mit Röhrenmikrofonen gefahrenen Produktionen (die noch puristischeren „Tube Only“-Einzel-Vinyls sind offensichtlich ausverkauft), die klanglich mit vielen Details, nuancierter Raumdarstellung und herrlicher Dynamik begeistern. Für die Finali der 5., 7. und 9. mit ihren lauten Schlusspassagen ließ Spreer das Studio Brüggemann die Rillen von innen nach außen schneiden („playing backwards“). Das sollte Schule machen, denn so muss sich das Fortissimo nicht in die engen Innenrillen quetschen, sondern kann den größeren Raum außen nutzen. Das funktioniert nur bei Automatik-Spielern nicht, läuft aber auch mit den Tangentialtonarmen des Rezensenten einwandfrei. Ein vollendetes Vergnügent.
    Lothar Brandt

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