e29 CD / Joseph Haydn: Jacob’s Dream

Joseph Haydn: Jacob’s Dream

Piano Trio in F sharp minor Hoboken XV:26
Piano Trio in A major Hoboken XV:18
Piano Trio in G minor Hoboken XV:19
Piano Trio in B flat major Hoboken XV:20
Piano Trio in E flat minor Hoboken XV:31
Trio Vivente

EAN/barcode: 4009850102908

Klassik heute zehn

Beschreibung

Das noch junge Klaviertrio Trio Vivente besteht aus drei Frauen, die nicht nur brilliante Technikerinnen sind, sondern auch voller Witz und Charme stecken. So verwundert es keinen, der weiß, wie oft Joseph Haydn immer noch unterschätzt wird, dass sie sich für ihre erste CD einiger seiner Klaviertrios angenommen haben. Schon das Cover der „Jacob′s Dream“ genannten CD – illustriert mit einer Zeichnung von Angelika Bartholl – vermittelt irgendwie, dass es hier um fehlenden Respekt geht. Aber wer hat keinen Respekt? Joseph Haydn? Ein gewisser „Londoner Amateurgeiger“? Oder gar die drei Damen des Trios? Soviel ist gewiss: Abstürzen tut hier keiner…

2 Bewertungen für e29 CD / Joseph Haydn: Jacob’s Dream

  1. Klassik heute

    Haydns späte Klaviertrios, etwa um die Zeit der zweiten großen Englandreise 1794/95 entstanden, warten mit einer Fülle von Überraschungen auf. Erweiterung des harmonischen Vokabulars, rhythmische Eigenwilligkeit und eine generelle Verschärfung der Kontraste heben die von unerwarteten Einfällen sprühenden, aber auch mit tiefem Ernst konfrontierenden Dreisätzer auf ein Niveau, das den bis dahin mit der Gattung assoziierten Divertimento-Charakter deutlich hinter sich läßt. Nicht minder überraschend ist die Darbietung durch das Trio Vivente: Eine so stimmige Phrasierung und eine so ausgefeilte Klangbalance findet unter den Kammermusik-Neuerscheinungen der letzten Jahre – zumal in dieser Besetzung – nicht so schnell ihresgleichen. Die brillante, gleichwohl niemals auftrumpfende Pianistin Jutta Ernst und ihre Streicher-Kolleginnen Anna Katharina Schreiber und Kristin von der Goltz, die bei allem Respekt gegenüber dem Klavierpart ungeheuer präsent das Geschehen mitgestalten, erzielen (unterstützt von einer hervorragenden Aufnahmetechnik) wahre Wunder der Klangmischung zwischen den so wenig kompatiblen Instrumenten und liefern ein Musterbeispiel dafür, wie unter Verzicht auf jede Gewaltanwendung fesselnd und lebendig musiziert werden kann. Ein Fest für jeden Kammermusikfreund.
    Peter T. Köster

  2. Rondo. Das Klassik & Jazz Magazin

    Als musikalischer Ottonormalverbraucher wird man bei Haydns Klaviertrios kaum einzigartige Manifestationen erwarten, sondern sich nette, standardisierte Werkchen vorstellen, die man als Hintergrundgeplätscher fürs Kochen oder Essen in den CD-Spieler legt. Wer solches auch mit den fünf Exemplaren der ersten Aufnahme des Trio Vivente vorhat, der sei gewarnt: das Kochergebnis wird ein Fiasko, denn das Hören lässt einen den Herd vergessen.
    Zwar können (und wollen) die drei Damen den Divertimento-Charakter vor allem der Schlusssätze nicht leugnen; was sie gleichwohl in manchem Eröffnungsabschnitt und erst recht in den langsamen Mittelsätzen an harmonischem Reichtum und gehaltlicher Ernsthaftigkeit zu Tage fördern, das weist weit über jede unverbindliche Unterhaltung hinaus – nicht selten bis in Schubertsche Tiefenschichten. Haydn selbst wusste um die Qualität dieser während seiner beiden Londoner Reisen komponierten Kammermusik und verwendete manchen Satz sogar doppelt – bei ihm ein äußerst seltenes Vorgehen -, so etwa das Fis-Dur-Adagio von Nr. 26 in seiner Sinfonie Nr. 102.
    Auch wenn dem Klavierpart mehr Gewicht als den beiden Streichern zukommt, so ziehen Anne Katharina Schreiber (Violine) und Kristin von der Goltz (Cello) daraus nicht den falschen Schluss der gestalterischen Zurückhaltung, im Gegenteil: ihr Spiel strotzt, wie das Schlussallegro der Nummer 18 beispielhaft zeigt, vor virtuosem Spielwitz und Detailgenauigkeit; und wie nahezu perfekt ihre ausgeklügelte Phrasierung mit derjenigen von Jutta Ernst am Klavier korrespondiert, das zeigt, dass auch ein noch junges Trio schon reifste Ensemblequalitäten vorzeigen kann.
    Da alle drei Damen direkt oder indirekt mit dem Freiburger Barockorchester verbunden sind oder waren, weiß man, woher diese sprühende Lebendigkeit der Darbietung rührt. Bleibt angesichts der Ensembleherkunft nur die Frage: Warum keine zeitgenössischen Instrumente?! Ein Hammerflügel hätte womöglich noch mehr Dynamik-Farben in das an sich schon kontrastreiche Spiel Jutta Ernsts gebracht.
    Ach ja, der seltsame englische Titel der Platte: Haydn stellt ihn dem recht konventionellen Kehraus seines 31. Trios voran. Soviel sei verraten: er zeugt vom boshaften Witz seines Schöpfers. Dass diese Frauen-Platte auch sonst viel mit Humor und Esprit zu tun hat, zeigt nicht zuletzt das pics. Ob sich der alte Haydn, der alle Trios klavierspielenden Damen widmete, wirklich von einer derselben auf der Nase hat herumtanzen lassen, muss allerdings offen bleiben. Dem Ehegeschädigten würde ich es nicht wünschen.
    Christoph Braun

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