e34 CD / Mozart: Piano Sonatas Vol. 1 / Christoph Ullrich
Beschreibung
Wollen wir Mozart noch auf einem moderen Flügel hören? Wenn man so spielt wie der Frankfurter Pianist Christoph Ullrich, dann geht der Steinway nicht nur in Ordnung – Mozarts Klaviermusik begeistert darauf! Ullrich spielt mit ausgefeilter Dynamik und konturenscharfer Deutlichkeit – durchsichtig, aber nicht gläsern. Er differenziert bewusst nach Stimmen, die er klanglich gegeneinander absetzt, und in der Fantasie c-Moll KV 475 zeigt er, wie er die Kunst der ideal kalkulierten Pause beherrscht – die Fantasie klingt tatsächlich danach, auf geheimnisvolle Weise Beethoven vorwegzunehmen und aus der Kenntnis Bach′scher Präludien entstanden zu sein. (…) Die Klangqualität der CD ist ausgezeichnet – Andreas Spreer von TACET hat sie aufgenommen.“ (Heinz Gelking)
4 Bewertungen für e34 CD / Mozart: Piano Sonatas Vol. 1 / Christoph Ullrich
Du mußt angemeldet sein, um eine Bewertung abgeben zu können.
















image hifi –
Wollen wir Mozart noch auf einem moderen Flügel hören? Wenn man so spielt wie der Frankfurter Pianist Christoph Ullrich, dann geht der Steinway nicht nur in Ordnung – Mozarts Klaviermusik begeistert darauf! Ullrich spielt mit ausgefeilter Dynamik und konturenscharfer Deutlichkeit – durchsichtig, aber nicht gläsern. Er differenziert bewusst nach Stimmen, die er klanglich gegeneinander absetzt, und in der Fantasie c-Moll KV 475 zeigt er, wie er die Kunst der ideal kalkulierten Pause beherrscht – die Fantasie klingt tatsächlich danach, auf geheimnisvolle Weise Beethoven vorwegzunehmen und aus der Kenntnis Bach′scher Präludien entstanden zu sein. Seltsam, dass Ullrich nicht wie üblich die Sonate KV 457 folgen lässt (Mozart hatte KV 475 und 457 als „Doppelwerk“komponiert), sondern sich für die F-Dur-Sonate KV 533/494 entschieden hat. Vielleicht liegt das daran, dass Mozart uns auch darin an Bachs polyphone Kontrapunktik erinnert. Die Klangqualität der CD ist ausgezeichnet – Andreas Spreer von TACET hat sie aufgenommen.
Heinz Gelking
SWR Plattenprisma –
Mit den ganz großen Musiker-Karrieren ist das so eine Sache: Warum der eine sie macht und der andere nicht, lässt sich in vielen Fällen nicht recht erklären. Zufall spielt wohl eine Rolle und die Fähigkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Platz die richtigen Leute kennen zu lernen. Diese ganz große Karriere hat der Frankfurter Pianist Christoph Ullrich – bisher jedenfalls – nicht gemacht, obwohl er das Zeug dazu sehr wohl hätte: Es ist geradezu sein Hobby, neue Programmformen zu entwickeln und überhaupt Werke so zusammenzustellen, dass sie sich gegenseitig beleuchten; seine Diskographie und mithin sein Repertoire sind nicht ganz klein, vor einiger Zeit trat er zum Beispiel mit seiner Einspielung der großen Schubert-Sonaten an die Öffentlichkeit. Jetzt kam seine erste Mozart-CD heraus, und auch hier besitzt er wieder einen eigenen und überzeugenden Blick auf die interpretierten Werke. Er spielt die beiden F-Dur-Sonaten KV 332 und KV 533 natürlich nicht als unterhaltsame Rokoko-Stücke, sondern mit ausgeprägtem Interesse an der in diesen Werken enthaltenen Zukunftsperspektive. Er spielt sie mit der Nachdenklichkeit, die sonst eher Beethoven oder Schubert zuteil wird – gleichsam im Vorgriff auf eine spezifisch romantische Musiksprache. Man kann dieser Aufnahme auch entnehmen, dass es hier um die handwerklichen Voraussetzungen des Klavierspiels, also etwa um Fingerfertigkeit oder Anschlagskultur, ausgezeichnet bestellt ist. Doch das versteht sich ab einem bestimmten pianistischen Niveau ja eigentlich von selbst, weshalb andere Merkmale dieser CD verstärkt ins Blickfeld geraten: Die Plastizität und Tiefenschärfe von Ullrichs Spiel zum Beispiel, die bereits erwähnte Betonung von Mozarts Modernität oder auch der kluge, von Ullrich verfasste Booklet-Text. Alles in allem: Ein Mozart voller Schönheit und voller Tiefgründigkeit.
Stephan Hoffmann
Piano News –
Ich habe Christoph Ullrichs Mozart-CD gehört, mir dabei wie üblich Notizen gemacht und plötzlich festgestellt, dass mir immer ein bestimmtes Wortfeld aus dem Bleistift rutschte: Ich schrieb „kantabel“ und „gesanglich“, und während der c-Moll-Fantasie stand sogar plötzlich „Don Giovanni“ auf dem Papier. Kein Zweifel: Ullrich hat großes Talent für Mozarts geschmeidige Melodik; unter seinen Händen werden die Stücke zu Mini-Opern. Erst als mir das sonnenklar war (und das muss man mir jetzt einfach mal glauben), las ich den vom Pianisten selbst verfassten Booklet-Text. Und siehe da: Ich hatte (was bei Kritikern nicht immer der Fall ist) die Absicht des Interpreten genau getroffen. „Opernszene für Klavier“ schreibt Ullrich zum Beispiel über den ersten Satz der Sonate KV 332, und auch beim zweiten Satz „scheint die Oper Pate gestanden zu haben“. Das kann man nur unterstreichen, und Ullrich setzt diese Erkenntnis eindringlich um. Darüber hinaus ist die Programmfolge interessant gestaltet: Die beiden großen F-Dur-Sonaten mit dem Mittelteil der c-Moll-Fantasie aufzunehmen, hat einen gewissen Reiz – zeigen sich die Sonaten doch als spielerische, lichte Werke, die Fantasie hingegen als großer dramatischer Monolith, in dem sich der gesammte Klaviermozart bündelt. (…)
Oliver Buslau
Frankfurter Rundschau –
Weiser, trauriger
Mozart hören oder spielen ist eine der wenigen Möglichkeiten, Zeit nicht nur zu vertreiben, sondern zu verwandeln, wie in einem chemischen Prozess aufzulösen. Denn bei aller irdischer Lust, die man zu finden meint, weiß sie vom Tode. Sie erzählt von Dingen, die wir nicht wissen können.“ Selten mag man einem Musiker so ungeschnitten zuhören, wenn er über Musik spricht. Christoph Ullrich aber, der Frankfurter Pianist mit den ungewöhnlich plastischen Worten und Tönen, hat im Booklet seiner neuen CD einen wunderbaren Essay geschrieben über Mozarts Musik und die Unmöglichkeit, ihr ganz gerecht zu werden. Denn: „Mozarts Musik verlangt nach Instrumenten, die wir nicht kennen, nach Fähigkeiten, die wir nicht haben.“
Schreibt′s, und widerspricht sich gleich selbst, denn auf dieser CD ist zu hören, dass Christoph Ullrich viel, sehr viel von dieser Fähigkeit hat. Einen so ruhigen, verhangenen, gleichzeitig so klaren und wissenden Mozart hört man selten. Er klingt wie Schubert, immer ein Lied in sich, aber immer auch mehr als das – vielleicht interpretiert man da aber auch die Hörerfahrung von Ullrichs letzten CDs mit hinein, auf denen er Schubert-Sonaten mit so unglaublich abgeklärtem Ernst spielt.
Von Mozart hat der die bekannte F-Dur-Sonate KV 332 und die c-Moll-Fantasie KV 475 aufgenommen, ergänzt um ein ganz seltenes Werk: Die nachträglich zusammengesetzte Baukasten-Sonate aus KV 533 und 494, ein später, gewagter Mozart, wie er dem Innenschau-Pianisten Christoph Ullrich besonders liegt. Auch wenn man weiß, dass es so nicht gewesen sein konnte: Mozart klingt hier, als wäre er ein alter, weiser Mann gewesen, klüger als wir alle. Und irgendwie trauriger dabei.
ick