e36 CD / Mozart: Piano Sonatas II

Mozart
Piano Sonatas II

Sonata in B flat major K 570
Sonata in A major K 331
Adagio in B minor K 540
Sonata in A minor K 310
Christoph Ullrich, piano

EAN/barcode: 4009850103608

Beschreibung

„Sollen sie doch im Mozart-Jahr alle ihre Hochglanz-Produkte abliefern, die etablierteren Stars. Das aufregendste Projekt hat Christoph Ullrich weit vorm und unabhängig vom Jubeljahr gestartet. (…) Das ist nicht nur großes Klavierspiel, sondern höchste Interpretationskunst, und Ullrich ist ein Virtuose des Ausdrucks. Das Adagio KV 540 lässt den Atem stocken. Kaufen!“ (Heinz Gelking)

6 Bewertungen für e36 CD / Mozart: Piano Sonatas II

  1. Klassik heute

    Der aus Göttingen stammende, von Leonard Hokanson, Claude Frank und Rudolf Buchbinder ausgebildete, offenbar auch gut betreute Pianist Christoph Ullrich ist kein instrumentaler Zündler an den imaginären Reibköpfen der Mozart-Sonaten, wie sie in der gerade erschienenen DG-Edition mit wiederentdeckten Gulda-Dokumenten geradezu zur Explosion gebracht werden. Doch Ullrich – um einen weiteren Vergleich zu riskieren – ist einem anderen Kollegen der älteren Generation im Hinblick auf manuelle Geschliffenheit, auf charakterisierende Variabilität um Längen und Breiten überlegen. Ullrich bestätigt – auch im Sinne seines Labels – ein gutes Maß an „Eigenart“, ohne etwa im „Türkischen Marsch“ der A-Dur-Sonate über die klavierethnischen Stränge zu schlagen. Die drei Sonaten und das herbe, für die damalige Zeit schier weltfremde, bedrohliche Adagio (KV 540) erklingen im Flüssigen wie im Verhaltenen auf eine intelligente, in ihrer Unauffälligkeit fast schon wieder auffällige Weise. Bei dem weiter oben namentlich noch nicht genannten Kollegen handelt es sich um Carl Seemann, dessen Gesamtaufnahme der Mozart-Sonaten (und einiger anderer Passagen aus dem Fantasie- und Variationen-Schatz) gerade im DG-Katalog wiederaufgelegt worden ist. Seemann fingert nun wahrlich trocken und wie ungerührt von allen Mozart-Erotismen durch dieses Repertoire – ein professioneller Ewig-Klavierschüler. Da möchte ich doch eher bei Christoph Ullrich eine weitere reichliche Stunde auf seiner Mozart-Reise zugegen sein, auch wenn in manchen entscheidenden Momenten (wie etwa in der Kopfsatzdurchführung der a-Moll-Sonate) der entscheidende Wille ausbleibt, auch einmal unter dem Druck der enormen musikalischen Reibungen aus sich herauszugehen. Gleichwohl: eine der wichtigeren Mozart-Editionen in der ersten Phase des Geburtstagsjahres.
    Peter Cossé

  2. Classics Today France

    EigenArt ist ein von Tacet gegründetes Label, bei dem die Künstler ihre Aufnahmen selbst vorschlagen und finanzieren. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Avie, mit dem Unterschied, dass Tacet hier seine technische Ausstattung zur Verfügung stellt und – idealerweise – auf einem sehr gut regulierten Klavier aufnimmt.

    Das Genre der Selbstproduktion ist heikel, es sei denn, das Label wahrt eine künstlerische Kontrolle. Bei Tacet kann man darauf vertrauen, im Gegensatz zu anderen Firmen wie etwa Gallo, die sich schon manches Mal erlaubt haben, Beliebiges zu veröffentlichen. Die Reinheit von Christoph Ullrichs Klavierspiel trägt auf dieser CD eine ganze Weile. Es ist schönes, gewissenhaftes Pianospiel. Leider treibt er es in der Sonate KV 310 zu weit und „zerknetet“ den ersten Satz durch Überartikulation in einem vor-beethovenischen Tonfall. Die Mozartsche Welt des Jahres 1778 in Paris verlangt nicht nach solch drastischen Mitteln. Insgesamt also eine sehr achtbare CD, jedoch keine von bleibender diskographischer Bedeutung.
    Christophe Huss

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    französischer Originaltext:

    EigenArt est un label créée par Tacet dans lequel les artistes viennent proposer et financer leurs enregistrements. C′est le même principe que chez Avie, sauf qu′ici Tacet fournit son équipement technique et a, idéalement, enregistré un piano très bien réglé.
    Le genre autoproduit est dangereux, sauf si le label garde un contrôle artistique. Avec Tacet nous pouvons faire confiance, contrairement à d′autres étiquettes telles que Gallo, par exemple, à qui il est arrivé de publier n′importe quoi. La pureté du piano de Christoph Ullrich fait illusion assez longtemps dans le disque. C′est du beau piano consciencieux. Hélas, arrivé à la Sonate K. 310, il en fait vraiment beaucoup et triture le 1er mouvement en le surarticulant dans un ton pré-beethovénien. L′univers mozartien de 1778 à Paris n′en demande pas tant. Un CD très honorable donc, mais pas discographiquement marquant.“
    Christophe Huss

  3. Classics Today

    Christoph Ullrich eröffnet Band 2 seines Mozart-Zyklus mit einer schönen Interpretation der B-Dur-Sonate KV 570. Im ersten Satz setzt er subtile und geschmackvolle Tempomodifikationen ein, die das Profil der einzelnen Themen schärfen und den wiederholten Tönen eine gesangliche Qualität verleihen. Eine ähnliche dramatische Anlage prägt auch das Adagio und verhindert, dass Ullrichs ungewöhnlich flottes Tempo oberflächlich wirkt. Man könnte einwenden, dass der verschmitzte Witz des Allegretto etwas an Schärfe verliert, wenn Ullrich die Phrasenenden abrundet und damit Mozarts synkopierte Akzente entschärft – aber das wäre schon Haarspalterei.

    Die eröffnenden Variationen der A-Dur-Sonate KV 331 erhalten eine geschlossene und charaktervolle Deutung, die sich mit den besten messen kann. Und trotz mancher Unebenheiten in der Artikulation lässt Ullrichs ungestümer Parforceritt durch das Rondo Alla Turca dieses allzu vertraute Stück neu – oder, wie die Briten sagen würden, „newish“ – erscheinen.

    Obwohl Ullrichs flüssiges und bewegliches h-Moll-Adagio zu Recht auf die schlaffe Dramatik verzichtet, die weniger begabte Pianisten der Musik aufpfropfen, vermittelt Horowitz’ ähnlich zügige Einspielung die tragischen Unterströmungen und die fragile Lyrik überzeugender. In der a-Moll-Sonate KV 310 muss Ullrichs wohlüberlegte, wenn auch nicht immer spontane Phrasierung der schärferen, geschmeidigeren Fingertechnik von Richard Goode weichen. Die zuvor erwähnte Neigung zum „Abrunden“ durchzieht das Finale so stark, dass man Ullrichs Ritardandi schon vorausahnen kann – ein deutlicher Kontrast zur nüchternen Zurückhaltung des langsamen Satzes.

    Zusammengefasst baut Ullrich auf den Vorzügen seiner ersten Mozart-CD für EigenArt auf und beseitigt die meisten ihrer Schwächen, erweitert seine dynamische Palette und setzt das Haltepedal differenzierter ein. Auf zu Band 3.
    Jed Distler

  4. Stuttgarter Zeitung online

    Rund um Mozart – Plattentips zum Jubiläum
    Das Mozart-Jahr 2006 naht, und da der 250. Geburtstag des Klassik-Lieblings schon Ende Januar ansteht, haben Platten- und Buchverlage sich längst zur Schlacht um Anteile am großen Jubiläumsgeschäft gerüstet. Wiederaufgewärmte, auf den Anlaß frisierte oder schnell zusammengestoppelte Produkte füllen die Regale, doch mitunter finden sich dort auch echte Perlen. Zu ihnen zählen zwei Platten des Frankfurter Pianisten Christoph Ullrich mit Klavierwerken Mozarts, die jetzt in der Edition EigenArt erschienen sind. Die ebenso souveränen wie behutsam-eigenständigen Interpretationen erweisen Ullrich, der in seinen Konzerten thematisch schlüssige, oft musikalisch-literarische Programme bevorzugt und gern neue, auch für Kinder geeignete Konzepte erprobt, als technisch versierten, intelligent disponierenden Musiker. Der exzellente Tonmeister Andreas Spreer vom Stuttgarter Label Tacet hat die subtile klangliche Tiefenstaffelung von Ullrichs Spiel auf modernem Steinway plastisch eingefangen (EA 10340 und 10360) (…)
    Werner M. Grimmel

  5. image hifi

    Sollen sie doch im Mozart-Jahr alle ihre Hochglanz-Produkte abliefern, die etablierteren Stars. Das aufregendste Projekt hat Christoph Ullrich weit vorm und unabhängig vom Jubeljahr gestartet (image hifi 3/2005). Er arbeitet sich auf seiner zweiten, wieder von Tacet aufgenommenen, aber von ihm produzierten CD weiter in Mozarts Sonaten-Kosmos vor. Ullrich sieht hinter die Noten und macht Entdeckungen, indem er, der Oper ohnehin verbunden, vokale Linien im Klaviersatz findet. In der Gegenüberstellung von Stimmen weicht er von der trocken-präzisen Ausführung des Rhythmischen um Tausendstel ab, so dass die Linien gleichsam voneinander abgekoppelt werden und ein Eigenleben führen wie Personen. Ullrich löst sich von der bloßen Exekution des Notentextes, schärft Kontraste, hält Tempi flexibel, und zeigt uns einen Mozart, der geselliger und einsamer, sinnenfroher und der Welt abgewandter ist, als wir es je erwartet hätten. Das ist nicht nur großes Klavierspiel, sondern höchste Interpretationskunst, und Ullrich ist ein Virtuose des Ausdrucks. Das Adagio KV 540 lässt den Atem stocken. Kaufen!
    Heinz Gelking

  6. Frankfurter Rundschau

    Delikate Abgründe
    Man wird ihn noch oft hören in dem nun bald anbrechenden Mozart-Jahr: den „alla Turca“-Satz aus der Klaviersonate KV331. Man kann ihn so ohrenputzend improvisiert hören wie von Andreas Staier auf seinem Hammerflügel oder nett afro-kubanisch rhythmisiert wie von den Klazz Brothers, alles in den vergangenen Wochen neu auf dem CD-Markt erschienen. Oder man hört ihn sich an so, wie ihn der Frankfurter Pianist Christoph Ullrich spielt auf seiner pressfrischen Mozart-CD: Zügig, aber nicht zu schnell, delikat, aber nicht manieriert, etwas manisch-motorisch und kantig, aber so ist er ja wohl auch gemeint.
    Der Türkische Marsch am Ende dieser Sonate und in der Mitte dieser CD markiert hier übrigens eine Zäsur, dramaturgisch gut gewählt: Danach geht es in Moll weiter, mit dem Adagio h-Moll KV540, einem puren Nachtstück, und mit der dunkel pochenden a-Moll-Sonate KV310, in deren Kopfsatz die Basstöne wie Glocken läuten. Nacht und tiefes Dunkel in Mozarts Klaviermusik? Ja, das gibt es – wenn man sie so abgründig schön, so klug und ernst spielt wie Christoph Ullrich. Genau ein Jahr nach seiner ersten Mozart-CD hat der Pianist nun seine zweite veröffentlicht, wieder beim Eigenverlags-Label EigenArt und wieder mit dem Tonmeister Andreas Spreer als Verantwortlichem für den Klang. Und der, als Chef der Stuttgarter Musikproduktion Tacet hoch geschätzt, hat einen puristischen, klaren Steinway-Ton hinbekommen, der ideal passt zu Ullrichs ebensolchem Spiel. Das Mozart-Jahr kann kommen, mit Christoph Ullrich ist man gewappnet.
    ick

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