e37 CD / Joseph Haydn: Piano Trios Vol. II
Beschreibung
„Sie machen ihrem Namen alle Ehre: „Trio Vivente“ heißt das Ensemble, das 1992 gegründet wurde und seitdem Gast in führenden Konzertreihen wie den „Ludwigsburger Schlossfestspielen“ ist. Wenn Lebhaftigkeit der Stempel sein soll, den das Dreigespann der Musik aufdrücken will, dann hätten sie sich keinen geeigneteren Komponisten als Joseph Haydn aussuchen können. Auch im zweiten Teil der Gesamteinspielung der über 30 Klaviertrios Haydns erleben wir drei Msuiker, die exzellent dosieren: Das meist flotte, bisweilen durchaus gewagte Tempo ist dem Duktus der Musik angemessen, der Dialog zwischen den drei Instrumenten stimmig und die Klangsprache voller Transparenz.“ (ensemble 02/07)
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image hifi –
Das 1992 gegründete Trio Vivente setzt mit einer neuen CD (Eigenart 10370) seine Veröffentlichung von Haydntrios fort. Die erste CD (Eigenart 10290) enthielt Klaviertrios der späten Periode – Hob. XV: 18-20, 26, 31 („Jakobs Traum“) – und erregte 2001 viel Aufsehen. Jetzt also die während der 1780er Jahre entstandenen Trios – Werke, in denen Haydn besonders experimentierfreudig mit der Struktur und den Ausdrucksmöglichkeiten der noch neuen Gattung umgeht (Hob. XV: 5, 6, 12, 13, 14). Beim Klaviertrio fühlte der Komponist sich offenbar freier als beim hochstehenden Quartett und der öffentlichkeitswirksamen Sinfonie. Die Interpretinnen spielen moderne Instrumente, obwohl die Geigerin Anne Katharina Schreiber und die Cellistin Kristin von der Goltz als Mitglieder von Barockensembles weit mehr als nur einen Fuß bei der historisch informierten Aufführungspraxis in der Tür haben. Wenn eine Pianistin so durchsichtig und trocken-pointiert spielt wie Jutta Ernst und im Trio so gut aufeinander gehört wird wie bei den Vivente-Frauen, dann muss es allerdings auch nicht unbedingt ein Hammer¬flügel sein. Die beiden Streichinstrumente brauchen hier um Raum nicht zu kämpfen. So finden Geige, Cello und der (leider ein wenig ungepflegt klingende) Konzertflügel zu einem feinnervigen und sehr dialogischen Zusammenspiel.
Heinz Gelking
Hessischer Rundfunk, Klassik-Zeit –
Was hat Frauenpower mit Schattenpflanzen zu tun? Letztere blühen im Verborgenen und zählen oft zu den schönsten. Joseph Haydns rund 40 Klaviertrios könnte man dazuzählen. Zu Unrecht leben sie im stillen Halbdunkel und nicht im hellen Licht wie viele seiner Sinfonien oder Streichquartette. Dabei fehlt es hier nicht an Witz und Charme und dem vielzitierten Haydnschen Einfallsreichtum. Erst recht, wenn so frischweg und aufmerksam musiziert wird wie von den drei Spielerinnnen des Trio Vivente. Das sind Anne Katharina Schreiber (Violine), Kristin von der Goltz, (Violoncello) und Jutta Ernst (Klavier). Bereits mit ihrer ersten CD legten die drei Power-Frauen eine ungewöhnlich originelle und witzige Einspielung von Haydn-Trios vor. Jetzt präsentieren sie Folge zwei ihrer geplanten Gesamteinspielung, wieder beim Label EigenArt.
(…) Sehr lebendig – eben vivente, wie der italienische Ensemblename sagt – und mit viel Entdeckerfreude sind sie in Haydns Partituren unterwegs. Selten wird so stimmig phrasiert und mit so ausgefeilter Klangbalance musiziert. 1992 gegründet gilt das Trio Vivente inzwischen als Geheimtipp in der Kammermusikszene. Neben Haydn haben die Musikerinnen 2005 ein Album mit Schubert-Trios produziert und bekamen prompt einen Preis dafür, den Luxemburgischen Supersonic-Award. Das neue Haydn-Album (…) umfaßt die Trios der mittleren Schaffensperiode, der 1780er Jahre. Experimentierlaune führte Haydn zu sehr individuellen Ergebnissen, weg von der frühen Triosonate. Aus harmlosen Liebhaber- oder Salonstücken, die man als Klaviersonate mit Begleitung von Violine und Cello bezeichnen kann, werden echte Trios, denn die beteiligten Instrumente sind nun gleichberechtigte Partner. Bei dem Trio Nr. 12 in e-Moll schlägt Haydn im Kopfsatz zunächst auffällig herbe, leidenschaftliche Töne an. Und bevor dann das rasante Schlußrondo die letzten Grillen verteibt, verbreitet ein Siciliano in E-Dur ein wenig Rokoko-Parfum.
Feinsinnig, spontan und überzeugend – so klingt musikalische Frauenpower mit dem Trio Vivente. (…) Auf ganz eigene Art entdecken die drei Frauen Haydns witzige und spitzbübische Kammermusik. Man stellt sich „Papa Haydn“ vor, wie er mit diebischer Freude die Verwirrungen seines Publikums genießt, und dann mit Unschuldsmiene und galantem Schritt in die geordnete Welt der Klassik zurückkehrt. (…)
Gisela Walther
Classics Today France –
Vergleicht man diesen zweiten Band einer weiteren Gesamteinspielung der Haydn-Trios mit derjenigen des Trio 1790 bei CPO, so erkennt man, dass man musikalisch recht haben kann und zugleich musikwissenschaftlich unrecht. Gewiss, der Flügel, den Jutta Ernst spielt, existierte zu Haydns Zeiten noch nicht; doch sie verwendet ihn klug, ohne übermäßigen Pedalgebrauch, mit Leichtigkeit und fließender Beweglichkeit. Da auch die Streicher über echte Klangfarben verfügen (ohne Vibrato-Exzesse), mit gesanglichen Linien und innerem Schwung, sind die eigentlichen Gewinner dieses Unternehmens ganz offensichtlich Haydn selbst – und die Hörer. Das Trio Vivente hat die Schlichtheit, die Heiterkeit und die Geselligkeit von Haydns Trios verstanden. Es findet genau die richtige Art, sie anzufassen, ohne zu stark aufzudrücken. Beim Trio 1790 hatten wir Porzellan. Hier finden wir Chantilly-Sahne. Leichter zwar, aber äußerst angenehm.
Christophe Huss
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französischer Originaltext:
En comparant ce second volume d′une autre intégrale des trios de Haydn avec celle du Trio 1790 chez CPO, on se rend compte qu′on peut avoir musicalement raison en ayant musicologiquement tort. Certes le piano que touche Jutta Ernst n′existait pas du temps de Haydn, mais elle en fait un emploi avisé, n′abusant pas de la pédale et le maniant avec légèreté et fluidité. Comme les cordes ont de vraies sonorités (sans abus de vibrato), avec des lignes de chant et des élans, il est évident que les grands gagnants de l′opération sont Haydn lui-même, et les auditeurs. Le Trio Vivende a compris la simplicité, la jovialité et la convivialité des Trios de Haydn. Il trouve l′exacte manière d′y toucher sans trop appuyer. Avec le Trio 1790 nous avions de la porcelaine. Ici, nous trouvons de la Chantilly. Allégée certes, mais bien agréable.“
Christophe Huss
Pizzicato –
Haydn feminin
Wenn Haydn als eleganter und geistreicher Komponist gelten wollte, so hat er in dieser jüngsten Einspielung der Klaviertrios ideale Interpretinnen gefunden. Mit klarer Diktion, einer von Anmut erfüllten Leichtigkeit und einem harmonischen Gespür, das eine reiche Vielfalt an Empfindungen erschließt, bleibt das Trio Vivente dem Notentext treu und bringt zugleich die seit seinen Anfängen im Jahr 1922 gesammelte Erfahrung ein. Das Ensemble ist vollkommen geschlossen; das stets präsente, klare Klavier sucht nicht, seine Partnerinnen zu dominieren, sondern tritt mit ihnen in Dialog und glänzt, von ihnen getragen, in den virtuosen Passagen. Mit Geschmack verstehen es die drei Musikerinnen, die expressiven Details dieser eminent klassischen Partituren hervorzuheben.
itb
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französischer Originaltext:
Haydn feminin
„Si Haydn désirait passer pour un compositeur élégant et plein d′esprit, il aura trouvé des interprètes féminines de choix sur ce récent enregistrement des Trios avec piano. Avec une diction claire, une légèreté emplie de grâce et un sens harmonique qui apporte une riche variété de sentiments, le Trio Vivente reste fidèle au texte et y apporte l′expérience acquise depuis leurs débuts, en 1922. L′ensemble est parfaitement soudé, le piano omniprésent et limpide ne cherche pas à dominer ses partenaires, mais dialogue avec elles et profite de leur soutien pour briller au long des passages virtuoses. Les trois musiciennes s′amusent avec goût à faire ressortir les détails expressifs de ces partitions éminemment classiques.“
itb
Ensemble –
Dialog mit Transparenz
Sie machen ihrem Namen alle Ehre: „Trio Vivente“ heißt das Ensemble, das 1992 gegründet wurde und seitdem Gast in führenden Konzertreihen wie den „Ludwigsburger Schlossfestspielen“ ist. Wenn Lebhaftigkeit der Stempel sein soll, den das Dreigespann der Musik aufdrücken will, dann hätten sie sich keinen geeigneteren Komponisten als Joseph Haydn aussuchen können. Auch im zweiten Teil der Gesamteinspielung der über 30 Klaviertrios Haydns erleben wir drei Msuiker, die exzellent dosieren: Das meist flotte, bisweilen durchaus gewagte Tempo ist dem Duktus der Musik angemessen, der Dialog zwischen den drei Instrumenten stimmig und die Klangsprache voller Transparenz.
Rafael Sala