e52 CD / Paris. Works by Rameau, Chausson, Puccini…
Beschreibung
Dirk Altmann spielt genauso gut auf der deutschen wie auf der französischen Klarinette. Dabei hat sich der gebürtige Hannoveraner anscheinend in die Hauptstadt unserer Nachbarn verliebt. In einer sehr persönlichen Recital-artigen Zusammenstellung von Werken, die alle etwas mit Paris zu tun haben, beschreibt er musikalisch, was ihn mit dieser Groß- und Weltstadt verbindet. Ganz natürlich, beinahe kindlich und gleichzeitig höchst kunstvoll formuliert er seine Liebeserklärung, wobei er sogar einige Werke für seine Wunschbesetzung selber arrangierte, und in so virtuosem wie feinsinnigem Spiel zusammen mit seinen MitspielerInnen Mako Okamoto, Klavier, Ryutaro Hei, Kontrabass und Anne-Maria Hölscher, Akkordeon, dass die Zeit des Zuhörens wie im Fluge vergeht. So wird aus einem Portrait von Paris unversehens ein Portrait von Dirk Altmann.
2 Bewertungen für e52 CD / Paris. Works by Rameau, Chausson, Puccini…
Du mußt angemeldet sein, um eine Bewertung abgeben zu können.














Klassik heute –
–> Originalkritik
Ein außergewöhnliches Repertoire findet sich auf dieser CD: Musik französischer Provenienz von der Romantik bis zur gemäßigten Moderne für Klarinette und Klavier, teilweise bearbeitet, zumeist aber in Originalversionen. Außergewöhnlich wird diese Zusammenstellung, die zunächst einmal als unscheinbare Ansammlung von kürzeren Werken daherkommt, durch den Hintergedanken der Zusammenstellung: Paris als Kulminationspunkt einer musikalischen Nation, als musikalischer Katalysator für eines ganzen Landes. In dieser Form war das wohl nur durch die zentralistische Staatsarchitektur der Grande Nation möglich, aus der es freilich immer wieder – künstlerische – Ausbruchsversuche gab.
Der Klarinettist Dirk Altmann hat sich zusammen mit der Pianistin Mako Okamoto auf die Suche nach Zeugnissen dieser sehr speziellen Musiktradition gemacht und eine ungemein spannende und künstlerisch hervorragende Aufnahme vorgelegt. Versammelt ist alles, was in der französischen Musikgeschichte Rang und Namen hat: von Chausson über Pierné bis hin zu Poulenc, um dessen vielgespielte Klarinettensonate man bei solch einer CD wohl nicht herumkommt, die aber wirklich ganz vorzüglich gelingt. Altmanns Ausdruckstiefe ist stets beachtlich, die Wandlungsfähigkeit seines Tons ebenso. Gerade die besonders delikate Klanglichkeit französischer Musik, diese ganz eigentümliche Verbindung von musikalischer Raffinesse und klanglichem Zauber wird hier ganz wunderbar getroffen, nicht zuletzt bei Werken von Erik Satie und der immer eine Prise Exotik atmenden Musik Charles Koechlins.
Unterstützt wird Altmann durch die Pianistin Mako Okamoto, die die klangliche Delikatesse französischer Musik sehr virtuos und ungemein sensibel einfängt, sowie eine Reihe weiterer Musiker. Herausgekommen ist eine ebenso spannende wie vergnügliche CD, die mit dem zukunftsweisenden Prélude aus Jean-Philippe Rameaus Livre de Clavecin einen für diese Besetzung ungewöhnlichen aber durchaus lohnenden Auftakt findet.
Guido Krawinkel
Rohrblatt –
Vor kurzem hat Dirk Altmann – seit mehr als dreißig Jahren Soloklarinettist im Stuttgarter SWR-Sinfonieorchester – seine Begegnung mit dem fanzösischen Klarinettensystem und seine wachsende Sympathie dafür auf diesen Seiten geschildert (s. „Rohrblatt“ 2/2016 S. 85f). Nun präsentiert er dazu eine klingende Illustration, die noch spannender beschreibt, was alles an Erlebnissen einen angehenden Klarinettisten beim Musiklernen und -machen prägt. Er erzählt im Booklet von der erste Begegnung des Vierzehnjährigen mit Paris, seinem Duft und seinem Fair und mit der Musik, die in dieser Stadt entstand und erklingt, die mehr als woanders so dicht Kern und Wesen einer Nation erspüren läßt. Diese frühe Begegnung mit „dem Französischen“, auch mit seinem Klarinettensystem, bestimmt auch heute noch Altmanns Spieltechnik und Klangvorstellung und seine Begeisterung für das, was in den Klarinettenwerken der französischen Romantik und deren Fortführung in die Moderne an Brillanz ins helle Licht geholt werden will.
Für den Hörer, der mit den technischen Unterschieden zweier konkurrierender Systeme weniger vertraut ist – Dirk Altmann wechselte auch in seiner Orchestertätigkeit gern zwischen ihnen und berichtet im erwähnten Interview von seinem heutigen Instrument, das endlich die Vorzüge beider Systeme und deren Klangphilosophien vereinige – ist das Pariser Musikbilderbuch dieser CD eine mit Klarinette und Klavier vermittelte Mischung köstlicher Delikatessen, eine Bonbonnière voller Pralinés, Fondants, Konfekt und anderer exquisiter Delikatessen. Man kann das genießen wie Mousse au Chocolat, das auf der Zunge zergeht und einen feinen Geschmack zurücklässt. Schon Rameaus Prélude stimmt darauf ein, die Petitessen von Chausson, Pierné, Dukas, und Satie bilden eine bunten Strauß mit vielen Blüten. Dazu gesellt sich aus Puccinis „Bohème“ der hübsche Walzer-Ohrwurm, dem eine Akkordeon-Begleitung gut bekommt, und manch Gewichtigeres wie Ravels Habanera, die in einem originellen Quintett-Arrangement mit Geige, Kontrabass und Akkordeon launig dargeboten wird, dann Debussys bekannte Première Rhapsodie und Gershwins drei Jazz-Präludien, denen – vor allem im Blues-Teil – ausgerechnet der Kontrabass erotisches Kolorit verleiht.
Der immer noch wenig bekannte Charles Koechlin hatte ein Faible für den neuen Tonfilm; der britische Musikgelehrte Robert Orledge, der sich besonders um französische Komponisten des späten 19. Jahrhunderts Verdienste erwarb, hat acht Miniaturen aus Koechlins Œure liebevoll zu einem Zehn-Minuten-Portrait Daisy Hamiltons zusammengestellt, eigentlich eine Hommage für die Schauspielerin Lilian Harvey (1906-1969), für die Koechlin geschwärmt haben soll, köstliche musikalische Federzeichnungen, deren Titel man im Booklet nachlesen sollte… Den krönenden Sahnehäubchen-Abschluss bildet die anspruchsvolle Klarinettensonate von Francis Poulenc.
Das alles geht ins Ohr wie ein Chardonnay über die Zunge und wie Dirk Altmann mit seiner kongenial mitgestaltenden japanischen Pianistin diese Delikatessen vorträgt, macht die CD zu einem Fest der Sinne! Dabei leistet sich der Klarinettist neben perfekter melodischer Feinenzeichnung immer wieder erfrischend vehemente Ausbrüche ins Klezmer- und Jazz-Milieu. Für dieses phantassievolle Siebzig-Minuten-Klangbad französischer Klarainetten-Gourmet-Kunst gebührt Dirk Altmann und seinen Mitgestaltern großes Lob und aufrichtiger Dank!
Diether Steppuhn