e53 CD / Ferdinand. Works for violin solo

Ferdinand

Works for violin solo.
Alan Ridout, Carl Nielsen, J. S. Bach
Adrian Adlam, violin and spoken text

EAN/barcode: 4009850105305

Beschreibung

Ferdinand? Ist das der Mann mit der Geige? Nein, das ist Adrian Adlam. Friedliebend ist er zwar auch wie der Protagonist des gleichnamigen Stücks – ein Stier, der keine Lust zum Stierkampf hat. Das zugrundeliegende Kinderbuch entstand während des spanischen Bürgerkriegs und wurde wegen der darin raffiniert verpackten Kritik von Mussolini und Hitler verboten. Ganz allein mit der Geige auf der Bühne zu stehen, das erinnert an die uralte Tradition des Geschichtenerzählers: Auch der hat nur seine eine Stimme, um die Leute zu fesseln. Adrian Adlam verfügt über die außergewöhnliche Gabe des simultanen Erzählens auf mehreren Ebenen. Er spricht und spielt gleichzeitig und zieht damit Erwachsene wie Kinder in seinen Bann. Damit zeigt der künstlerische Leiter der Internationalen Musiktage Freden einmal mehr seine vielseitige Virtuosität wie auch mit dem ganzen Programm der CD: Ridout steht neben Nielsen steht neben Bach. Lauter einsame Helden.

2 Bewertungen für e53 CD / Ferdinand. Works for violin solo

  1. Pizzicato

    –> Originalkritik

    Einen ausgezeichneten Geiger, der nicht jedem sofort bekannt sein dürfte, findet man in Adrian Adlam, der einen Teil seiner Jugend in Luxemburg verbrachte. Nach mehreren Konzertmeisterpositionen in Europa und auf der Insel sowie einem vielseitigen Kammermusikschaffen hat er bei den zusammen mit dem bei den Luxemburger Philharmonikern spielenden Bratscher Utz Köster gegründeten ‘Fredener Musiktagen’ eine Aufgabe gefunden, bei der er als Gestalter moderne Musik beauftragen und spielen kann.

    Sein Spiel zeichnet sich durch einen schwungvollen und weichen Klang aus. Das wird zum Beispiel in der Chaconne zum Abschluss der Zweiten Partita von Bach deutlich, die er in einem fließenden Duktus spielt. Er wählt große musikalische Bögen und Bindungen. Dabei achtet er darauf, weiche Bewegungen zu machen, so dass technische Geräusche weitgehend ausgespart werden.

    Am Anfang der Aufnahme steht eine technisch anspruchsvolle Musikfabel. Alan Ridout hat auf einen Text von Munro Leaf die kleine Geschichte des Stieres Ferdinand vertont. Dieser sitzt träumend auf der Wiese und schnuppert an Blüten, während die anderen Halbstarken sich balgend erproben. Als Fänger kommen, um Stiere für die Arena zu begutachten, gebärdet sich Ferdinand wild, weil er gestochen wurde. In der Arena zeigt er dann jedoch wieder sein wahres Gesicht, da die blumengeschmückten Hüte der Damen ihn ablenken. Also kehrt er auf die Wiese zurück und wenn er nicht gestorben ist, … Das Buch war übrigens von den Nazis als kommunistische Friedenspropaganda verboten worden. Zur Sologeige tritt hier eine Sprechstimme, in dieser Aufnahme der Geiger selber. Das Stück wird sowohl ausdrucksstark erzählt als auch augenzwinkerndem Raffinement gespielt.

    Als drittes Werk für eine Violine solo wird das ‘Präludium und Thema mit Variationen’ von Carl Nielsen vorgestellt. Die Aufnahme wurde 2004 schon mal in anderem Kontext auf einer CD veröffentlicht, die mit einem Pizzicato-Supersonic ausgezeichnet wurde. Das Werk hat Nielsen ebenso wie seine anderen Violinwerke für seinen Schwiegersohn Emil Telmanyi komponiert. Spieltechnische Anforderungen deuten einerseits auf kompositorische Vorbilder wie Bach und Paganini, andererseits auf Virtuosen der Zeit wie Ernst und Wieniawski. Einzelne Variationen sind geradezu teuflisch, da sie den Hörer an der Nase herumführen oder weil der Spieler wegen der Vielzahl an Noten in rasantem Tempo Fingerverknotungen riskiert, wofür bei Adlam natürlich keine Gefahr besteht.

    Uwe Krusch

  2. Klassik heute

    –> Originalkritik

    Irritierend ist zunächst der Titel dieser CD: „Ferdinand“. Das lässt eher an Musik für Kinder denn an eine Einspielung mit Musik für Violine solo denken. Aber von derlei Finten sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn die Musik auf dieser von dem Geiger Adam Adlam eingespielten CD kann sich durchaus hören lassen. Der Titel geht dabei auf das bekannte Kinderbuch von Munro Leaf zurück, der mit der „Person“ des jungen Bullens Ferdinand ein ebenso rührendes wie eindringliches Plädoyer für Toleranz und Frieden geschaffen hat. Dieses Buch hat der Komponist Alan Ridout zum Anlass genommen, Musik zu schreiben, die mit der Lesung kombiniert werden kann.

    Das wird hier auch getan, wobei der Sprecher leider nicht erwähnt wird. Herausgekommen ist in jedem Fall ein ebenso unterhaltsames wie eindringliches Stück, da Ridouts Musik die Texte nicht nur illustriert, sondern auch kommentiert, ergänzt, bereichert: ein empfehlenswertes Stück, nicht nur weil Adrian Adlam musikalisch absolut keine Wünsche offen lässt. Weiter zu hören auf der CD: Carl Nielsens op. 48 und die zweite Partita von Johann Sebastian Bach. Hier begibt sich Adlam gewissermaßen auf vermintes Gebiet, liegt die Messlatte gerade bei Bachs Partiten angesichts der Konkurrenz doch enorm hoch.

    Doch verstecken braucht sich der Geiger dahinter gewiss nicht. Er spielt „seinen“ Bach mit quasi natürlicher anmutender virtuoser Brillanz, trägt nie zu dick auf, sondern lässt Bachs Musik mit organischer Gewandtheit leuchten. Da wirkt nichts pretiös oder manieriert, sondern im Gegenteil völlig geerdet und im besten Sinne unverfälscht. Vor allem aber Nielsens nicht wirklich oft zu hörende Variationen bestechen durch Adlams in jeder Hinsicht bestechende Interpretation. Hier paaren sich geigerische Virtuosität mit tiefempfundenem Ausdruck und heben diese reizvolle Musik auf eine neue künstlerische Ebene.

    Guido Krawinkel

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