e35 CD / Franz Schubert: Piano Trios D 28 & D 898

Franz Schubert

Piano Trio in B flat major D 28
Piano Trio in B flat major D 898
Trio Vivente

EAN/barcode: 4009850103509

Klassik heute zehn Supersonic Pizzicato Luxemburg

Beschreibung

„Die vollendete Transparenz des Zusammenspiels (das ganz wörtlich durchweg ein Spiel bleibt), der lichte, schlanke Klang, die leichte, fließende, rhythmisch beschwingte Bewegung – in allem spiegelt sich eine vergangene bürgerliche Kultursphäre, das gesellige, geistvolle, unternehmungslustige Milieu, dem Schubert angehörte oder zumindest doch zuneigte. Aber das Trio Vivente bietet ungleich mehr als nur das getreue Abbild einer versunkenen Epoche…“ (Wolfgang Stähr)

4 Bewertungen für e35 CD / Franz Schubert: Piano Trios D 28 & D 898

  1. Wiesbadener Anzeiger

    Romantische EigenArt
    Eine so stimmige Phrasierung und eine so ausgefeilte Klangbalance findet unter den Kammermusik-Neuerscheinugne der letzten Jahre – zumal in dieser Besetzung – nicht so schnell ihresgleichen… Ein Fest für jeden Kammermusikfreund“, schwärmte der Rezensent von Klassik heute vor zwei Jahren, nachdem er die erste EigenArt-CD des Trio Vivente mit Jutta Ernst (Klavier), Anne Katharina Schreiber (Violine) und Kristin von der Goltz (Violoncello) gehört hatte. Fünf Klaviertrios von Joseph Haydn bildeten das Programm des erfolgreichen Debüts, das „weit über jede unverbindliche Unterhaltung hinaus[weist] – nicht selten bis in Schubertsche Tiefenschichten.“ (Rondo, 9/2000).
    Eben diese erahnten Schichten konkretisieren die drei seit 1992 miteinander musizierenden Künstlerinnen in ihrer zweiten EigenArt-Produktion. Nach kaum mehr als zehn Minuten wird der leichte Plauderton des kleinen B-Dur-Trios D.28 verlassen, und es beginnt die Reise durch den Kosmos des völlig anders dimensionierten, großen Schwesterwerkes, das zwar in derselben Tonart B-Dur und für dieselben Instrumente geschrieben ist, mit dem zierlichen, ja beinahe kindlichen Spiel des vorigen keine Gemeinsamkeitn mehr hat: Schuberts „Ruh′ ist hin“, auch wenn er den innern Aufruhr hier mit scheinbarer Leichtfertigkeit camoufliert – es ist schon eine rechte Kunst, diesen Tanz auf dünnstem Eis in all seiner Ambivalenz zu tanzen.

  2. Klassik heute

    Anfang und Ende, den frühen und den späten Schubert, eine Talentprobe und einen Prüfstein für jeden Interpreten vereint diese CD. Zwei B-Dur-Trios: der im Autograph als „Sonate“ überschriebene Allegro-Satz D 28 des 15jährigen Gymnasiasten und das wahrscheinlich im Todesjahr 1828 komponierte Klaviertrio D 898 – ein ungleiches Paar. Doch verblaßt das Jugendwerk keineswegs als „Einspielstück“ oder „Lückenbüßer“, jedenfalls nicht in der höchst eindrucksvollen Aufnahme des Trio Vivente. Die drei Musikerinnen verstehen es, den naiven Charme, die fragile Klangschönheit und die buffonesken Mozart-Anklänge dieser Schubertschen „Sonate“ ins rechte Licht zu rücken und mit allen Feinheiten der Phrasierung auszukosten.
    Verblüffenderweise gelingt es ihnen auch bei dem späten B-Dur-Trio, diese natürliche und scheinbar schwerelose Kunst des Musizierens zu bewahren – und so dem Komponisten und seiner Zeit, der kammermusikalischen Praxis der Wiener Soireen und Akademien, genauestens auf die Spur zu kommen. Die vollendete Transparenz des Zusammenspiels (das ganz wörtlich durchweg ein Spiel bleibt), der lichte, schlanke Klang, die leichte, fließende, rhythmisch beschwingte Bewegung – in allem spiegelt sich eine vergangene bürgerliche Kultursphäre, das gesellige, geistvolle, unternehmungslustige Milieu, dem Schubert angehörte oder zumindest doch zuneigte. Aber das Trio Vivente bietet ungleich mehr als nur das getreue Abbild einer versunkenen Epoche: Die Musikerinnen, die sowohl mit der alten als auch der modernen Musik bestens vertraut sind, entdecken in Schuberts B-Dur-Trio ein eigenes Zeitmaß, eine Zeiterfahrung, wie sie die meisten heute nur noch in außereuropäischen Kulturen zu finden glauben. Die endlos fortgesponnenen Kantilenen des „Andante“, die repetitiven „Patterns“ des Finales beginnen zu kreisen, zu schweben, wie in einer Meditation entleert und weitet sich der Geist, der Horizont dehnt sich aus, das empfindsame Spiel übersteigt seine Grenzen… ehe die Presto-Coda und das jähe Ende der CD den Hörer wieder zurück in die rauhe Wirklichkeit befördern.
    Wolfgang Stähr

  3. Pizzicato

    Das Trio Vivente, bestehend aus den Damen Jutta Ernst, Klavier, Anne Katharina Schreiber, Violine, und Kristin von der Goltz, Cello, hat eine kluge Wahl getroffen: Es stellt das B-Dur-Trio von 1812, ein fast zwölfminütiges Allegro, in Beziehung mit dem großen Trio in der gleichen Tonart, das knapp ein Jahr vor Schuberts frühem Tode komponiert wurde. Gewiss, es liegen Welten zwischen beiden Werken, aber auch das Opus des 15jährigen, subtile Musik für den Hausgebrauch, ist schon unverkennbar. Hinter der anscheinenden Leichtigkeit dieses Allegros kann man Franzens Melancholie und innere Trauer erahnen. Man sollte auch nicht vergessen, dass dieses Werk aus dem Todesjahr seiner Mutter stammt. Diese kluge Darstellung beweist bereits, wie sensibel das Trio Vivente ist.
    Ebenso sensibel, aber viel tief schürfender, ist die Aufnahme des Trios D 898, die sehr klar und fein artikuliert ist und in der die Stimmen prächtig gegeneinander abgewogen sind. Das führt zu wunderbaren „Gesprächen“ zwischen den Instrumenten. Vor allem aber: Vielleicht brauchte es eine so verhaltene, zurückhaltende „weibliche“ Interpretation (siehe das Andante un poco mosso), um das ganze Ausmaß von Schuberts in Musik übertragenes vielschichtiges und zwiespältiges Seelenleben auf eine so ergreifende Art zu erfahren.

  4. Crescendo

    Ich war sehr gespannt, als ich diese CD mit Schubert-Trios in die Hand nahm, weil ich die Geigerin Anne Katharina Schreiber und die Cellistin Kristin von der Goltz als hervorragende Barock- und Klassikspezialisten kannte, u.a. vom Freiburger Barockorchester. Die erste Überraschung war, dass sie nicht auf historischen Instrumenten spielen. Ich hätte aber gern gewusst, was für ein Klavier Jutta Ernst bei dieser Aufnahme spielt, denn es klingt zauberhaft. Die Streicher sowieso. Die zweite, noch größere Überraschung kam, als ich die CD auflegte und zuerst den Triosatz D 28 hörte, den Schubert mit 15 Jahren komponiert hatte – ein Stück, das normalerweise nicht ernst genommen und bei Einspielungen hinten versteckt wird. Hier aber erlebt man ein Stück allerfeinster Kammermusik, gar nicht unreif, sondern schon unverkennbar Schubert, von beseligender Balance zwischen Melancholie und Luzidität. Das Hauptwerk ist trotzdem das Trio D 898 aus Schuberts letztem Lebensjahr. Vor zwei Jahren habe ich schon einmal eine herausragende Schubert-Aufnahme in crescendo empfohlen, damals mit dem Wiener Klaviertrio. Diese steht ihr nicht nach, ist aber völlig anders. Sie ist heller timbriert, feiner, durchsichtiger, weniger angriffslustig. Während die Wiener bevorzugt mit Lautstärkedifferenzierung und Agogik gestalten, besticht das Trio Vivente besonders durch plastische Artikulation. Am Ende der Exposition im ersten Satz gibt es eine frappante Stelle, wo Klavier und Streicher gegeneinander Triolen und Quartolen spielen. Noch nie habe ich das so spritzig gehört wie hier.
    PSa

Füge deine Bewertung hinzu