e28 CD / Wilhelm Petersen
Beschreibung
Wilhelm Petersen (1890-1957) war ein Komponist des 20. Jh, der vom Avant-garde fernblieb. Obwohl er die revolutionären Anfänge des Expressionismus begleitete und Verständnis für neue Ausdrucksformen zeigte, fand er ca. im Jahr 1925, nach einer Experimentierphase am Rande der Tonalität, zu einer formal klar zentrierten Tonsprache Sein Interesse lag weniger darin, romantische Subjektivität als vielmehr die Essenz der Tonsprache zu finden, indem er zu den von ihm genannten “ musikalischen Grundqualitäten“ zurückkehrte. Bruno Walter schreibt zum Werk Wilhelm Petersens (Brief v. 11. Februar 1958): „… echte musikalische Erfindung, Meisterschaft in der Gestaltung und ein tiefster Gefühlsreichtum … ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, daß die Originalität und Bedeutendheit der musikalischen Sprache des Meisters den Werken schließlich den Platz in der Öffentlichkeit verschaffen wird, der ihnen zukommt.“
2 Bewertungen für e28 CD / Wilhelm Petersen
Du mußt angemeldet sein, um eine Bewertung abgeben zu können.
Ähnliche Produkte
-
022013014Einwilligung verwalten
Um Ihnen ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn Sie diesen Technologien zustimmen, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn Sie Ihre Einwillligung nicht erteilen oder zurückziehen, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.Präferenzen
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
















Rondo. Das Klassik & Jazz Magazin –
Was kann einem noch begegnen, wenn man sich seit früher Jugend mit dem Kunstlied-Repertoire des 19. und 20. Jahrhunderts beschäftigt und über eine große Noten- und Schallplattensammlung sowie reichlich Erfahrung verfügt? In Antiquariaten aufzufindende Liederalben aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts enthalten unendlich viel Belangloses, das seine Entstehenszeit nur wenige Jahre überlebt hat, und Werner Oehlmann listete in seinem „Liedführer“ (Reclam) gewissenhaft die Namen der dazu gehörigen Komponisten neben vielen anderen vergessenen auf.
Den Namen auf der Hülle dieser CD allerdings, Wilhelm Petersen, suchte ich sowohl in meinem CD-Regal als auch bei Oehlmann vergeblich. Im Selbstverlag produzierten der Bariton Hans Christoph Begemann und der Pianist Matthias Gräff-Schestag einige Lieder dieses 1890 geborenen und 1957 gestorbenen Komponisten. Und was da aus dem Lautsprecher tönt, fasziniert vom ersten Takt an.
Eine ganz eigenständige Tonsprache fand Petersen für Texte aus Shakespeare-Dramen, aus des Knaben Wunderhorn sowie aus Gedichtsammlungen Klopstocks und anderer Dichter. Seine Satzweise bleibt immer tonal, bedient sich aber einer erweiterten Harmonik und einer vielfältig-einfallsreichen, textnahen Motivik, die nicht im Geringsten epigonal, dafür jedoch ungemein ansprechend ist. Eine tiefe Ernsthaftigkeit, eine bewegende Aussagekraft und -fähigkeit durchzieht Petersens Lieder selbst in heiteren Momenten.
Begemann und Gräff-Schestag sind mit höchstem Engagement bei der Sache, ihnen gelingt die Vermittlung der unbekannten Werke in erstklassiger Weise. Begemann verfügt über eine dunkel-kraftvolle Baritonstimme, der er zahlreiche Nuancen und Farben vom satten Forte auch in mittlerer und tiefer Lage bis hin zum zarten Kopfstimm-Klang in der Höhe zu entlocken vermag. Gräff-Schestag begleitet sensibel, technisch untadelig und gestalterisch inspiriert.
Und Petersen? Über seinen Lebensweg berichtet das Beiheft leider nur fragmentarisch. Wenige Zeilen finden sich bei Riemann und in der MGG: Sein Studium absolvierte er in München, unter anderen bei Felix Mottl, und seine Hauptbeschäftigung fand er wohl als Kompositionslehrer an der Mannheimer Musikhochschule, die er zwei Jahre vor seinem recht frühen Tod verließ. Weitere Details harren der Wiederentdeckung – gemeinsam mit weiteren Werken Petersens.
Michael Wersin
Fono Forum –
Ungemein subtil
Natürlich ist es nahe liegend, aber auch ein wenig boshaft, wenn man bei den „Wunderhorn“-Liedern von Wilhelm Petersen (1890-1957) sofort den Vergleich zieht mit dem einen, alle überragenden Komponisten dieser Texte. Petersen ist gewiss kein Mahler – dazu fehlt seinen Liedern das stilistische Profil. Gleichwohl lohnt die Begegnung mit seinem Schaffen, zumal, wenn es so engagiert präsentiert wird wie hier.
Als Zeitgenosse des Expressionismus setzte sich Petersen intensiv mit den Strömungen der Avantgarde auseinander und komponierte bis in die 1920er Jahre hinein durchaus in deren Sinne. Während dieser Zeit steht er, selbst eine literarisch-musikalische Doppelbegabung, dem Dichterzirkel um Stefan George nahe, dessen Aufmerksamkeit der 17-Jährige mit seinem Lyrikband „Träume und Rätsel“ weckt. Erst um 1925 setzt dann eine stilistische Wende in seinem Schaffen ein, die Petersen als Versuch charakterisierte, „den persönlichen Ausdruck gegenüber objektiver Gestaltung zurücktreten zu lassen“. Viele frühere Werke werden daraufhin umgearbeitet, nicht selten grundlegend vereinfacht; denn Petersen sucht sein Heil nunmehr in Schlichtheit und Unmittelbarkeit. Damit gelingen ihm einige sehr eindringliche Vertonungen, namentlich von Claudius und Shakespeare; anderes wirkt dagegen auf Dauer etwas blutleer.
Diesem Eindruck wirken freilich die beiden Interpreten der hervorragend aufgenommenen CD nach Kräften entgegen. Hans-Christoph Begemann beweist vorbildliche Textsensibilität, und das Zusammenspiel mit seinem Begleiter Matthias Gräff-Schestag wirkt ungemein subtil und atmosphärisch, besonders in den frühen Oden nach Klopstock.
Christian Wildhagen